Märkische Oderzeitung
."In Saus und Braus" mit 20 Künstlern
Von Heike Mildner
Wilhelmsaue Das Motto des 23. Kunstmarktes in der Wilhelmsauer Fachwerkkirche "In Saus und Braus" öffnete den 20 beteiligten Künstlern einen weiten Interpretationsraum und sie schritten ihn scheint´s genüsslich nach allen Richtungen aus.
Der Berliner Graphiker Eberhard Hartwig beispielsweise schloss kurz von Braus auf Brause, zeichnete einen Duschkopf und lag mit der Nähe zum Wasser auch recht nahe an der Herkunft der Motto-Redewendung. Sollten doch einst das Sausen des Windes und das Brausen der Wellen auf dem Meer die laute Fröhlichkeit einer üppigen Festgesellschaft beschreiben. Heut steht die Redewendung zwar auch noch für eine kräftige Feierei, ebenso jedoch - mit eher neidvoll negativem Unterton - für luxuriöse oder gedankenlose Verschwendung.
Lustvoll feiern die Kraniche auf einem Aquarell von Werner Zenglein im gemeinschaftlichen Kranichtanz ihre Zweisamkeiten. Antje Scholz nähert sich den Facetten des Themas in einer ganzen Reihe textbezogener Graphiken. Doret-Nanette Grzimek hat zur Feier des Tages einen Tisch mit zerbrechlichem Porzellan mit filigranen Silberornamenten gedeckt und Karola Wirth eine ihrer Schalen mit Federn geschmückt. Gastkeramikerin Christine Pfundt aus Buckow, die sich sonst eher an Pastelltöne hält, präsentiert daneben eine Kollektion in leuchtendem Rot und Gold. Petra Walter-Moll hat aus nächster Nähe fotografiert, was auf diese Teller kommen könnte. Franziska Steuers drahtige Strichmenschen fallen diesmal nicht nur aus ihren Rahmen, sie tanzen sich gleich gruppenweise aus ihnen heraus. Dirk Bretschneider zeigt üppige Torsi, Jörg Hannemann rotlackierte Lippen in Serie. Nur Bertold Bartsch scheint den lebensfrohen Reigen zu sprengen. Auf seinen großformatigen Bildern ist inmitten der Brauntöne eine Kugelgestalt auszumachen, die geschunden, gespalten, aufgebrochen wirkt. Der Preis für gedankenlose globale Verschwendung?
Dass der Wilhelmsauer Kunstmarkt sich jeweils einem Thema widmet, unterscheidet ihn von anderen Kunstmärkten. Natürlich zeigen die Aktiven neben dem, was sie sich zum Thema einfallen lassen auch ihre sonstigen Arbeiten und viele bieten mittlerweile auch "Kleinigkeiten" für das weniger zahlungskräftige Publikum an. Doch auch in Wilhelmsaue hallen die D-Mark-Euro-Umstellung und die horrenden Spritpreise nach. Zwar ist der Markt gut besucht, ohne überfüllt zu sein, aber das Geld scheint nicht sehr locker zu sitzen. Aber selbst "In Saus und Braus" ist ja relativ. Und wenn Kenneth Anders am Abend über Askese spricht, wird mancher Künstler wissen, wovon er redet, um tags darauf in den Kunstmarktkanon von Sebastian Undisz einzustimmen: "Wir wollen genießen ohne Bedenken, den Lüsten frönen beim gastlichen Mahl, die Sorgen wolln wir an jene verschenken, die emsig sich kümmern um unsre Moral."
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Dienstag, 09. September 2008 (05:45)
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Märkische Oderzeitung
Tausende Besucher stürmten Ateliers
Von Steffen Göttmann
Bad Freienwalde (MOZ) Die Höfe der Künstler im Oderbruch haben einen Besucheransturm erlebt wie selten. In Güstebieser Loose war es stellenweise besser, das Auto stehen zu lassen und zu Fuß von Hof zu Hof zu ziehen. Die beteiligten Künstler dürften die zehnten Kunst-Loose-Tage als Erfolg verbucht haben.
Die Schlosskirche Prötzel war für viele Berliner die erste Station. Dort, im ehemaligen Bonhoeffer-Raum haben Manuela Hinkeldey und Gisela Rüdiger ihr Atelier bezogen, nachdem sie das Schloss im vergangenen Jahr verlassen mussten. Der Raum strahlt eine besondere Atmosphäre aus, eine breite Fensterfront eröffnet den Blick auf das Kirchenschiff. Die beiden Berlinerinnen, die durch Malkurse bei der Volkshochschule und autodidaktisches Arbeiten ihre Techniken immer mehr verfeinerten, zeigten Landschaftsbilder, Akte und Stillleben. Die Bilder präsentierten sie in der Kirche, im Atelier und auf einer Wiese am Gebäude.
Manuela Hinkeldey und Gisela Rüdiger müssen von der Kunst nicht leben. Insofern seien die Gespräche mit den Besuchern wichtiger als der Verkauf, sagte Manuela Hinkeldey. "Die Kunst ist uns ein leidenschaftliches Hobby", sagte sie. "Ohne das Malen können wir und das Leben nicht mehr vorstellen."
"Wir fahren gezielt bestimmte Ateliers ab", sagte Roselind Tabor aus Berlin, die in Prötzel Halt machte. Sie male selbst und wolle sich einen Überblick verschaffen. Wer sich für die Kirche interessierte, konnte sich von Rolf Kaupat vom Verein Schlosskirche Prötzel über das Gotteshaus informieren lassen.
Auf die Frage, ob er Fotokünstler oder Fotograf ist, wusste Stefan Schick, dessen Hof in Bliesdorf liegt, so richtig keine Antwort. "Auftragsfotografie mache ich so gut wie gar nicht. Vielmehr bearbeite ich Themen, die mich interessieren", sagte er. So sprach er Passanten vor einem Einkaufsmarkt in Wriezen an und fragte sie, ob sie sich vorstellen könnten, ein Bettler zu sein. Sie sollten eine entsprechende Pose einnehmen, wobei er sie fotografierte. "Nur zwei haben abgelehnt", sagte er. Zu dem "Spaß" bereit waren eher jüngere Leute und davon meist Frauen. Eine Auswahl der Fotos zeigte Schick in einem Ausstellungsraum. 2003 war er von Frankfurt/Main ins Oderbruch gezogen.
"Wir haben auf jeden Fall mehr Leute hier als im vergangenen Jahr", sagte die Keramikerin Katrin Heinrich aus Güstebieser Loose. Mit dem Ansturm kam sie gut klar. "Wir haben uns lange darauf vorbereitet", sagte sie. Auf ihrem direkt am Oderdeich gelegenen Hof arbeitet sie mit ihrem Mann Victor Baselly, der Bilder und Plastiken schafft. Sie habe auch gut verkauft, aber die meisten Besucher seien "Seh-Leute". Doch abgerechnet werde erst am Sonntagabend. Ohnehin sei Töpferware leichter an den Mann zu bringen als Bilder. Maler müssen sich damit abfinden, dass viele Besucher durch ihre Ateliers strömen, aber beim Kauf eher zurückhaltend reagieren. In ihrem Hof herrschte rege Betriebsamkeit. Darunter war eine Gruppe Ausflügler aus Berlin. "Wir fahren von Hof zu Hof und schauen uns um", sagte Stefan Apel. Der Berliner genossen die Atmosphäre und das sonnige Wetter im Oderbruch.
Auch bei Sophie Natuschke in Güstebieser Loose drängten sich die Besucher im Hof. In dem Ausstellungsräumen auf dem Hof der Künstlerin waren Aquarelle, Grafiken, Skulpturen und Zeichnungen zu sehen.
"Wir sind sehr zufrieden mit den Besucherzahlen", sagte Peter Rossa, der mit seiner Frau Sabine ein Atelier in Mädewitz unterhält. Dort waren Holzskulpturen und Grafiken zu sehen. Die Modegestalterin und der Industriedesigner haben durch ihre Mitarbeit am Umbau der Grundschule Altreetz Furore gemacht. "Der Auftrag hat uns sehr viel Freude gemacht", so Peter Rossa. Für seine Holzskulpturen verarbeitet er heimische Nadelhölzer, weil die Jahresringe eine interessante Struktur bilden.
Montag, 05. Mai 2008 (09:14)
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Ansturm auf das besondere Geschenk
Wilhelmsaue (ir) Dort war es wieder einmal zu bekommen, das ganz besondere, individuelle, kunstvolle Geschenk: Auf dem Wilhelmsauer Kunstmarkt, der am Wochenende seine Türen in der Dorfkirche geöffnet hatte. 25 Künstler, vorwiegend aus dem Oderbruch, boten ihre kleinen oder auch etwas größeren Kunstwerke der verschiedensten Genres feil. Kaum irgendwo sonst in der Region dürfte es eine so große Auswahl auf so engem Raum für den Kunstfreund geben. Da hingen Aquarelle, Pastelle und Acrylbilder neben Kunstfotografien, stand die gegenständliche Styropor- neben der sinnlich-figürlichen Steinplastik. Während diesmal mit Margarete Mühlbach aus Frankfurt (Oder) nur eine Schmuckgestalterin vertreten war, gab es eine reiche Auswahl an Malerei, an Gebrauchs- und künstlerisch-plastischer Keramik sowie an grafischen Arbeiten.
Einige der letzteren waren, wie im Falle von Antje Scholz, auf wunderbare Weise mit Texten kombiniert und zu kleinen Büchlein oder Kalendern zusammengefasst. Solche Kunstkalender, aber auch die "Engel-Weihnachtskarten" der Altfriedländerin Hanne Pluns, Kunstpostkarten von Jörg Hannemann aus Letschin, stimmungsvolle Landschaftsfotografien, Collagen, Linolschnitte, der Spiegel im Mammutbaum-Rahmen, das figürlich-grazile Mobile und vieles mehr erfreuten sich großen Interesses bei den Besuchern. "Das Publikum hier ist so interessiert und aufgeschlossen, man kann sich mit so vielen Kollegen austauschen - einfach wunderbar!", schwärmte Malerin Hanne Pluns.
Sie hatte sich, wie alle ausstellenden Künstler und die ersten mittäglichen Besucher, am Samstag zunächst in einer anderen Kunst probiert - dem Singen. Denn wie zu jedem Kunstmarkt bisher wurde auch diesmal wieder jeder Markttag mit einem gemeinsamen Kanon-Gesang eröffnet. "Das ist ein Instant-Kanon", scherzte Kanon-Komponist und Dirigent Sebastian Undisz. Denn von der Generalprobe bis zur letztlich gar nicht so schlechten Premiere vergingen keine zehn Minuten.
Der Kanon-Text war aus dem Leben gegriffen. Es ging, passend zum Weltklimagipfel in Bali, um Energieträger: "Es ist so kalt, hier gibt's kein Wald und wir haben kein Holz fürs Feuer. Benzin, Gas, Öl ist uns zu teuer...", klang es dreistimmig durch die kleine, aber trotzdem warme Wilhelmsauer Fachwerkkirche.
Montag, 10. Dezember 2007 (09:05)
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